650 Jahre Stadtkirche Lünen

Festgottesdienst in der Lüner Stadtkirche
St. Georg zum 650. Kirchenjubiläum.
Foto: Samuel F. Ogunnibi

Gottesdienst als Auftakt zum Jubiläumsjahr

Mit einem Festgottesdienst beging Ende April die Lüner Stadtkirche St. Georg ihr 650. Kirchenjubiläum. Pfarrerin Anja Bunkus und Pfarrerin Claudia Reifenberger hatten den Gottesdienst gestaltet. Mitwirkende war das Ensemble Capella Fontegara (unser Foto) mit Musik aus dem Mittelalter. Passen dazu: nach dem Gottesdienst konnte im Innenhof weitergefeiert werden - mit mittelalterlichen Speisen und Getränken. Der Gottesdienst war Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen mit Buchvorstellungen, Mittelaltermarkt und Ausstellungen. Bis in den November hinein reichen die Planungen. Dann wird auch eine Festschrift vorgelegt.

„Themba“ heißt Hoffnung

Lutz von Dijk (Bildmitte), der Autor des gleichnamigen Buches, war bei der Vorpremiere des Films anwesend.
Foto: Stephan Schütze

Ein anderer Film zur Fußballweltmeisterschaft

„Themba“ bedeutet auf Xhosa Hoffnung. Themba heißt auch der Junge im Film nach dem gleichnamigen Buch von Lutz van Dijk. Der Autor begrüßte Mitte April 2010 über 300 Mädchen und Jungen vom Gymnasium an der Schweizer-Allee und den evangelischen Kirchengemeinden St. Georg und Schüren bei der nichtkommerzielle Erstaufführung in der Aplerbecker Postkutsche.

Darunter auch neun Jugendliche aus dem Jugendhilfezentrum Johannes-Falk des Diakonischen Werkes Dortmund, die im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft an einem internationalen Fußballturnier in Südafrika teilnehmen. Die evangelischen Kirchengemeinden, die Werkstatt Ökumene Eine Welt, der Weltladen Aplerbeck, und die Arbeitsstelle MÖWe hatten zum Film eingeladen.

Mit großer Anteilnahme verfolgten die 13- bis 14-Jährigen in der englischsprachigen Fassung die Geschichte des Jungen mit Fußballtalent aus dem Südosten Südafrikas. Dort lebt er mit Mutter und Schwester. Als die Mutter ihre Arbeit auf der Teeplantage verliert, geht sie nach Kapstadt, um Arbeit zu finden. Die Kinder bleiben bei einem Onkel. In einem Turnier wird Thembas Talent entdeckt. Doch die Mutter beantwortet die Briefe nicht mehr.
Die Kinder finden ihre Mutter krank in einer Hütte in einer der Armensiedlungen Kapstadts. Sie hat Aids, angesteckt vom Onkel, der auch Themba missbraucht hat. Themba schweigt und beginnt wieder Fußball zu spielen.

Ärztliche Behandlung und Medikamente helfen der Mutter. Das erste mit dem Fußball verdiente Geld hilft der Familie. Doch die Ungewissheit bleibt: Hat der Onkel den Jungen angesteckt? Themba lässt sich untersuchen. Auf der Pressekonferenz nach seinem ersten Tor in der Nationalmannschaft geht er gegen das Tabu an und redet über seine Krankheit.

„Der Film umfasst ein Drittel des Buches“ erklärt der Autor Lutz van Dijk. Die Regisseurin Stefanie Sycholt zeigt in 105 Minuten die Hoffnung junger Menschen in Südafrika, mit dem Sport aus Not und Armut zu entkommen. Der Film zeigt aber auch, dass Reden über HIV/Aids hilft, Vorurteile und Ängste zu überwinden.

In Südafrika ist die Erstaufführung des Films am 15. Juni zu Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2010, am Vorabend des Tags der Jugend in einem Kino im Township Masiphumelele. Der ehemalige Erzbischhof und Friedensnobelpreisträger Desmond M. Tutu sorgte für die Verlegung der Premiere in das Armenviertel. In Dortmund kommt der Film am 22. Juli nach der WM 2010 in die Kinos.

„Themba“ von Lutz van Dijk ist als Taschenbuch erschienen bei cbt. Ein Teil der Einnahmen geht an die Stiftung HOKISA, die Kinderhäuser in Südafrika unterstützt. Weitere Informationen im Internet unter

Taufbecken als Blumenkübel

Kirchenpädagogin Renate Breimann erläuterte die Geschichte der evangelischen Kirche St. Peter zu Syburg. In den Mittelpunkt stellte sie Frauen, die sich
um die Kirche verdient gemacht haben.
Foto: Mark Fäth

Frauen standen im Mittelpunkt der Führung durch die Kirche St. Peter zu Syburg

„Von Kapitellen, Kanzeln und Taufsteinen“ ist der Titel einer Veranstaltungsreihe für Frauen des Synodalverbands Dortmund der Evangelischen Frauenhilfe e.V. Erste Station war die evangelische Kirche St. Peter zu Syburg.

In den Mittelpunkt der Führung hatte die Kirchenpädagogin Renate Breimann Frauen gestellt, die „das Haus gestaltet und so Zeugnisse ihres Glaubens abgelegt haben“. Um 1100 entstand die jetzige Kirche. Doch archäologische Untersuchungen zeigen, dass es schon zu Zeiten Karl des Großen einen Vorgängerbau gegeben hat.

Im Westturm, errichtet 1200, sind das frühromanische Taufbecken aus dem ehemaligen Kloster Marienborn in Lütgendortmund und das Barbarafenster erste Stationen der Führung. Beide fanden erst im 20. Jahrhundert ihren Platz in der Kirche. Vorher diente das Becken als Blumenkübel und Pferdetränke. Die Gemeinde erwarb es nach dem Wiederaufbau der Kirche in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Am 7. März 1945 wurde das Mittelschiff von einer Fliegerbombe zerstört.

Renate Breimann berichtete den elf Teilnehmerinnen vom Leben der Eleonore von Sieberg zum Busch, die 1810 Ludwig von Vincke heiratete. Damit wurde der Oberpräsident von Westfalen Eigentümer der Burgruine Hohensyburg. Zur Erinnerung an Vincke wurde 1857 auf der höchsten Stelle des Berges der gleichnamige Turm errichtet.

Über die Schriftstellerin Gertrud von le Fort berichtete Renate Breimann vor einem Grabstein im Turm. Der Stein zeugt von einem Mord im Jahr 1698. „Er war der Autorin Anlass zur fast unbekannten Novelle ,Spökenkieken‘, die 1907 in Westermanns Monatsheften erschien. Ort der Handlung ist das Haus Villigst, das in der Erzählung ,Haus Werle‘ genannt wird. Der Name Hohensyburg ist in Hohensaburg abgewandelt“, erklärte die Kirchenpädagogin.

Nach dem zweiten Weltkrieg setzten sich zwei weitere Frauen für St. Peter zu Syburg ein. Berta Schell hatte Teil am Wiederaufbau der Kirche. „Sie rief zu Spenden von Pferden und Wagen auf, die für den Wiederaufbau nötig waren, der bereits 1947 begann“, erzählte Renate Breimann. An die Ärztin und Stadträtin Charlotte Wasmuht erinnerte Breimann, da die Familie Wasmuht unter anderem das Barbarafenster im Turm gestiftet hat.

Ende Mai ging es zur Evangelischen Apostelkirche nach Bochum. Das ökumenische von 1972 bis 1975 realisierte Kirchenforum in Bochum-Querenburg liegt in der Ruhr-Universität.

Als letzte Station steht das Waisenhaus der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung in Essen-Steele auf dem Programm. Der Prinzessin von der Pfalz und Fürstäbtissin der Stifte Essen und Thorn war der 1764 begonnene erste Bauabschnitt des von ihr gestifteten Waisenhauses nicht prächtig genug. Es sehe aus wie eine Schäferei, begründete sie ihren Eindruck. Was dann aus den überarbeiteten Plänen wurde, ist am 21. Juni in Augenschein zu nehmen, Treffpunkt: 13.45 Uhr Hauptbahnhof Dortmund, Infostand.

Neues entsteht rund um die evangelische Kirche in Lindenhorst

Die Kirche bleibt im Dorf. Und, was viele besonders freuen wird, sie wird zusammen mit dem Kirchturm renoviert. Die evangelische Kirche hat zusammen mit der Firma Freundlieb vor, dem Lindenhorster Ortskern rund um die historische evangelische Kirche ein neues Gesicht zu geben.

Möglicherweise schon ab dem nächsten Jahr soll dort eine Einrichtung der Altenhilfe mit ambulanten und stationären Angeboten entstehen. Die Kirche selbst soll nach diesem Konzept als Begegnungsstätte für die Altenhilfeeinrichtung umgebaut werden – mit Café. Dabei kann die evangelische Gemeinde die renovierte Kirche für Veranstaltungen und für Gottesdienste weiter nutzen. Zusammen mit den Umbau- und Renovierungsarbeiten wird auch der mittelalterliche Kirchturm saniert – in Abstimmung mit der Denkmalpflege.

Nach gegenwärtiger Planung sollen auf dem Grundstück neben dem sanierten Kirchengebäude zwei dreigeschossige Baukörper entstehen. In einem Gebäude sind altengerechte Wohnappartements für selbständiges Wohnen vorgesehen, in dem Zweiten unterschiedliche Pflege-Wohngruppen für ca. 80 Menschen. Das bestehende Gemeindehaus muss dem geplanten Neubau weichen, das Kirchengebäude wird jedoch funktional und gestalterisch in das neue Konzept eingebunden und damit dauerhaft gesichert.

Die Verwirklichung dieser Planungen liegt in den Händen von Freundlieb, die sich mit Nachbarn, möglichen Betreibern und der Stadt Dortmund noch abstimmen.

Der Förderverein Lindenhorster Kirchturm e.V. ist über das Vorhaben informiert und begrüßt die Umsetzung – genau wie die evangelische Segenskirchengemeinde. Das Konzept wurde schon im Rahmen einer kürzlich durchgeführten Machbarkeitsstudie zur Umnutzung des Gemeindezentrums Lindenhorst angedacht. Nach vielen Überlegungen und Gesprächen mit möglichen Nachnutzern sieht die evangelische Segenskirchengemeinde mit der Einrichtung der Altenhilfe die große Chance, Kirchturm und Kirche langfristig zu erhalten. Die Kirchengemeinde freut sich insbesondere, dass mit dieser Nutzung auch nach Aufgabe des Gemeindezentrums Gottesdienste und andere Veranstaltungen in der Kirche möglich sein werden.

www.evangelische-kirche-eving.de

„Gehen wir mutig voran“

Vertreterinnen und Vertreter von Stadt, Gewerkschaften und Kirchen feierten den Gottesdienst zum 1. Mai in der St. Marien-Kirche. Foto: Stephan Schütze

Ökumenischer Gottesdienst zum 1. Mai

"Uns führt die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zusammen." Mit diesen Worten eröffnete Pfarrer Friedrich Stiller den ökumenischen Gottesdienst in St. Marien am Abend des 29. April 2010.

Es ist das 21. Mal, dass die beiden christlichen Kirchen zusammen mit dem DGB den Gottesdienst feierten. „Nicht selten sind Gewerkschafter Christen und Christen Gewerkschafter,“ so Stiller.

Als neue Vorsitzende des DGB-Bezirks Dortmund-Hellweg konnte sich Jutta Reiter vorstellen. Angesichts der Tarifflucht vieler Unternehmen und der Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse forderte sie einen gesetzlichen Mindestlohn und „mehr Mitbestimmung“. Die Arbeitnehmer seien in einer Lage, in der viele Abwehrkämpfe geführt werden müssten. Deshalb sei eine „massive Einflussnahme auf die Politik nötig.“ Die Kirchen rief sie auf, sich zusammen mit den Gewerkschaften stark zu machen „für den Sozialstaat, damit ein solidarisches Zusammenleben auch in Zukunft möglich ist.“

Pfarrer Ludger Hojenski, stellvertretender Stadtdechant, betonte, dass die „Würde des Menschen gewahrt werden muss.“ Nach einer aktuellen Studie sei ein Fünftel aller Bundesbürger von Armut betroffen. Mit Blick auf den „Aktionsplan soziale Stadt“ kommentierte er: „Es fehlen nicht die Pläne, sondern die Umsetzung.“ Seine Forderung: „Gehen wir mutig voran.“

Damit ihr Hoffnung habt

Pfarrer Manfred W. Schwarz, Propst Andreas Coersmeier und Superintendent Paul-Gerhard Stamm präsentieren das Plakat zum 2. Ökumenischen Kirchentag in München.
Foto: Stephan Schütze

Zweiter Ökumenischer Kirchentag mit Dortmunder Beteiligung

Manfred W. Schwarz ist sicher: „Es lohnt sich, den Kalender an den fünf Tagen im Mai freizuhalten.“ Der Dortmunder Pfarrer ist Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages und engagiert sich in der Vorbereitung des Ökumenischen Kirchentages, der vom 12. bis 16. Mai in München stattfindet.

Es ist dann das zweite Mal, dass sich evangelische und katholische Christen zu einem gemeinsamen bundesweiten Kirchentag treffen. Der erste fand 2003 in Berlin statt. Damals waren zum Abschlussgottesdienst mehr als 200.000 Besucher gekommen. Ob es diesmal ähnlich viele werden? Propst Andreas Coersmeier und Paul-Gerhard Stamm, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Vereinigten Kirchenkreise Dortmund sind guter Dinge: „Auf jeden Fall werden viele Gruppen und auch Einzelpersonen aus Dortmund in München dabei sein.“ Mehrere Jugendgruppen aus evangelischen und katholischen Gemeinden machen sich im Mai auf den Weg nach München, die Dortmunder Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen wird mit einem Stand auf dem Kirchentag vertreten sein, genau wie der Koordinierungskreis Mosambik. Das Ökumenische nehmen schon vor dem Kirchentag die evangelische Reinoldigemeinde und der katholische Pastoralverbund Dortmund Mitte-Nordost ernst und organisieren eine gemeinsame Hin- und Rückfahrt. Bisher sind es rund 12.000, die aus ganz Westfalen nach München fahren wollen. Der Ökumenische Kirchentag bietet rund 3.000 Veranstaltungen, darunter Podiumsdiskussionen über soziale, ethische und politische Probleme, Workshops zu Fragen nach der gerechten Gestaltung der Welt, Gottesdienste und Bibelarbeiten, stille Meditationen und große Open-Air-Konzerte. Mit drei Eröffnungsgottesdiensten (Theresienwiese, Odeonsplatz und Marienplatz) beginnt der Kirchentag am Mittwoch (12. Mai) und endet mit dem ökumenischen Schlussgottesdienst am Sonntag auf der Theresienwiese.

Die Dauerkarte kostet 89 Euro (ermäßigt 54 Euro), Tageskarten gibt es für 28 Euro (ermäßigt 18 Euro) und Abendkarten für 14 Euro. Die Karten verkauft das reinoldiforum (an der St. Reinoldi-Kirche).

  • www.reinoldiforum.de
  • www.oekt.de
Mitglieder des Dortmunder Spendenparlaments bei ihrem Besuch im Mütterzentrum.
Foto: Stephan Schütze

spendobel auf Touren

Mitglieder des Spendenparlamentes besuchten Mütterzentrum

50.000 Euro ist viel Geld. Doch das reicht nicht. Zumindest nicht dem Dortmunder Spendenparlament „spendobel“. Beinahe 50.000 Euro haben Dortmunderinnen und Dortmunder im Laufe der letzten Monate für zehn soziale Projekte gespendet, die von „spendobel unterstützt werden.Am Dienstag, 27. April, besuchten Mitglieder von „spendobel“ einige der unterstützten Projekte.

Direkt zu Beginn der Besuchsreise informierten sich die Parlamentsmitglieder über das Mütterzentrum in Dorstfeld, das seit vielen Jahren einen Treffpunkt für Familien anbietet. Insbesondere viele allein erziehende Mütter nutzen das Angebot. Sie sind dankbar für jede Unterstützung, die ihnen geboten wird. Weitere Stationen der Infotour waren das Hospiz am Ostpark und der Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen e.V.

 „spendobel“ unterstützt seit September 2001 soziale Projekte in Dortmund. Seine Grundidee ist einfach: Im Spendenparlament sitzen Personen des öffentlichen Lebens zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der evangelischen Kirche, die gemeinsam einen aktiven Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit in unserer Region leisten wollen. „spendobel“ bietet Spendenmöglichkeiten; Projekt-Vorschläge macht das Parlament, das eine Art „Stiftung Warentest“ für Spendenwillige ist.

Kontakt zu „spendobel“ (Fragen zur Antragstellung o.ä.) kann man über Andrea Wiesemann (Tel. 0231/8494-362) aufnehmen. Weitere Informationen zum Dortmunder Spendenparlament gibt es unter www.spendobel.de.

Auf beiden Seiten der Mauer

Superintendent Stamm lässt sich von der jüdischen Friedensaktivistin Julia Alfandari die Siedlungspolitik der Israelis erklären.
Foto: KK DoMiNo

Dortmunder besuchten das Heilige Land

Eine 14-köpfige Dortmunder Gruppe der Evangelischen Kirche in Dortmund machte im April 2010 eine Studienfahrt in das Heilige Land. Schwerpunkt war die Situation der Palästinenser im israelisch-palästinensischen Konflikt.

Ökumenereferent Gerd Plobner und Superintendent Paul-Gerhard Stamm leiteten die Fahrt. Gespräche fanden unter anderem mit Vertretern und  Vertreterinnen palästinensischer Projekte sowie israelischer Menschenrechtsorganisationen statt.

„Welcome to Jerusalem“ – Willkommen in Jerusalem – steht auf dem Schild am Kontrollpunkt in Bethlehem. Die Palästinenser mögen das als Hohn empfinden, denn auf der anderen Seite der Mauer sind sie alles andere als gern gesehen. Empfangen von Soldaten mit Maschinengewehren, dürfen sie israelisches Gebiet nur mit schriftlicher Genehmigung betreten. Regelmäßig und mit ungewissem Ausgang muss diese beantragt werden. Schwierig für diejenigen, die in Israel arbeiten und täglich in diesem zerrissenen Land pendeln.

Unmöglich für junge Männer ab 16 Jahren, die als potenzielle Gewalttäter gelten und deshalb grundsätzlich nicht einreisen dürfen, weiß Ronni Hammermann. Die 70-jährige Jüdin gehört der israelischen Frauenorganisation „Machsom Watch“ an. Zweimal täglich besucht sie und ihre 300 Mitstreiterinnen die wichtigsten Kontrollpunkte, Checkpoints genannt, und beobachten die Vorgänge dort.

„Mittlerweile besteht unsere Hauptaufgabe darin, Buch über die Ereignisse zu führen.“ In der Anfangszeit der 2001 gegründeten Organisation ging es auch darum, Willkür und Schikanen zu verhindern. Inzwischen sind die Übergänge voll automatisiert und erinnern an die deutsch-deutsche Grenze vor mehr als 20 Jahren. „Alles ist entpersonalisiert und findet hinter schusssicherem Glas statt. Das heißt aber auch, dass es keinen Verhandlungsspielraum mehr gibt.“ Wer keine Bescheinigung hat, wird abgewiesen.

Für Notfälle hat der „Rote Halbmond“, vergleichbar mit dem Roten Kreuz, ein Abkommen mit den Behörden. Doch Krankentransporte bleiben heikel, denn an den Checkpoints müssen die Krankenwagen gewechselt werden. „Das schlimmste an der Mauer ist, dass normalen Begegnungen zwischen Israelis und Palästinensern der Nährboden entzogen wird. Man nimmt sich gegenseitig nur noch als Feindbild wahr“, erklärt Georg Dürr, Leiter der christlichen Privatschule „Talitha Kumi“. Denn auch die Israelis dürfen die palästinensischen Gebiete der so genannten A-Zone, zu denen Bethlehem gehört, offiziell nicht betreten.

Dass es Schlupflöcher gibt, hat Julia Alfandari erfahren. Die 28-jährige Projektkoordinatorin von „ICAHD“, dauerhafte Einwohnerin Jerusalems mit deutschem  Pass, besucht regelmäßig  ihre palästinensischen Freunde auf der anderen Seite. „ICAHD“ setzt sich gegen die Zerstörung von paläs­tinensischen Häusern in Ostjerusalem ein. Mehr als 20.000 sind seit der israelischen Annektierung Jerusalems 1967 gebaut worden, die meisten illegal, weil Baugenehmigungen so gut wie nicht erteilt werden. 1.500 davon haben einen Zerstörungsbefehl. Rund 90 werden jedes Jahr bei Nacht und Nebel mit sehr kurzfristiger Ankündigung abgerissen. „Wann und wo, weiß man nicht“, sagt Julia, die argwöhnt, dass die Ungewissheit zum Schikanesystem der Israelis gehört.

„ICAHD“ versucht, die Abrisse zu verhindern, denn Israel ist eine Besatzungsmacht, die gegen internationales Recht verstößt. Dass der Einsatz für die Palästinenser im eigenen Volk wenig Gegenliebe findet, nimmt Julia in Kauf: „Wir sind in der Presse als Terroristenfreunde beschimpft worden“, so die engagierte Jüdin, die sich nicht scheut, von „offenem Rassismus“ in Israel zu sprechen.

„Wir steuern auf ein hoch entwickeltes Apartheidssystem zu“, befürchtet Mitri Raheb, lutherischer Pfarrer an der Weihnachtskirche in Bethlehem. „Zu viel Friedensprozesse, zu wenig Frieden“, sieht der Theologe im Heiligen Land. Die Politiker aus aller Welt treten sich in Jerusalem auf die Füße, alle wissen, was vor sich geht, doch nichts passiert, so seine Analyse. Er versucht, mit seinem Projekt, dem Internationalen Centrum von Bethlehem, die jungen Leute im Land zu halten, indem er ihnen Arbeit und eine Perspektive gibt: „Unsere Vision muss stärker sein als die Mauer“.

Es geht um viel im Heiligen Land, zum Beispiel um die Frage, wer Zugang zu den Heiligen Stätten hat. In Hebron, am Grab der Abrahamssippe, beten Muslime und Juden getrennt voneinander in Moschee und Synagoge. An jüdischen oder muslimischen Feiertagen gewährt wechselseitig die eine Religionsgemeinschaft der anderen Zugang zu den eigenen Räumen. Wenigstens ein Minimum an Verständigung ist möglich. In der Stadt Hebron selbst klappt das nicht. Dort haben sich israelische Siedler in den Häusern über dem Basar eingenistet. Sie werfen Müll aus den Fenstern: Abfälle und Babywindeln, die Händler und ihre Kunden treffen würden, wenn sie nicht ein Netz über die Marktstraße gespannt hätten.

Es geht um Land, und es geht um Wasser. „We refuse to be ene­mies“, wir weigern uns, Feinde zu sein, steht auf einem Stein am Grundstück der christlich-palästinensischen Familie Nassar. Die Nassars kämpfen seit zwei Jahrzehnten darum, ihren Landbesitz zu behalten, den sie vor mehr als 100 Jahren erworben haben. Inzwischen ist das 42 Hektar große Grundstück von israelischen Siedlungen umgeben

Trotz der Wasserknappheit verfügen diese über Swimmingpools, während die Bewohner palästinensischer Dörfer sich mit Wassertanks auf den Häusern behelfen. Die Nassers sollten enteignet werden, weil zwischen den israelischen Siedlungen eine Verbindungsstraße benötigt wird. Immer wieder stehen bewaffnete Siedler vor dem Grundstück. Sie wollen sich nehmen, was ihnen ihrer Ansicht nach zusteht: das Land, das laut biblischer Überlieferung im alten Israel den Juden gehörte. Was zählen da schon Besitzdokumente aus dem 20. Jahrhundert? „Sie hatten das Gewehr am Anschlag und begrüßten uns mit ,Schalom‘”, berichtet Amal Nassar.

Die Nassars forderten die Siedler auf, ihre Waffen abzulegen und einzutreten. Einige nahmen das Angebot an und tranken sogar eine Tasse Tee, doch das änderte ihre Meinung nicht. Der Kampf um das Land geht weiter.

Die Nassars haben inzwischen die Öffentlichkeit mobilisiert und auf ihrem Grundstück ein internationales Begegnungszentrum errichtet. Hunderte von Jugendlichen treffen sich dort in Sommercamps. „Gib die Hoffnung nie auf, weil wir am Ende gewinnen werden“, hat sich Amal Nassar als Erbe ihres verstorbenen Vaters zu Eigen gemacht. Ihr Bruder Daoud managt das Projekt. „Daouds Weinberg“, so wird das Grundstück genannt, ist zum Symbol für gewaltfreien Widerstand geworden

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Der evangelische Bischof Johannes Friedrich (Mitte links) und der katholische Moraltheologe Peter Schallenberg (Mitte rechts) diskutierten. Pfarrer Matthias Boensmann (links) moderierte. Rechts die Gastgeberin Pfarrerin Meike Friedrich.
Foto: Schütze

Ökumenediskussion in Berghofen

„Von der Lust katholisch zu sein und evangelisch aus gutem Grund.“ Unter dieser Überschrift hatte die evangelische Gemeinde Berghofen zusammen mit ihrer katholischen Schwestergemeinde zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen.

Der evangelische Landesbischof von Bayern, Dr. Johannes Friedrich und der katholische Moraltheologe Prof. Dr. Peter Schallenberg lockten als Podiumsbesetzung mehr als 200 Zuhörerinnen und Zuhörer in die Berghofener Kreuzkirche.

„Wir gehören zusammen und wir haben das gleiche Ziel“, definierte Bischof Friedrich von evangelischer Seite aus das grundsätzliche Verhältnis zur katholischen Kirche. „Evangelisch sein bedeutet unbedingt, ökumenisch sein.“ Erst auf dieser Grundlage könne man sich über die Unterschiede der Konfessionen unterhalten. Er selbst habe eine „Hochschätzung und Hochachtung“ vor der katholischen Liturgie. „Wir vernachlässigen zu sehr die Bedeutung von Ästhetik, Zeichen und Gefühlen.“ Friedrich bedauerte, dass die evangelische Theologie zu sehr eine „Kopftheologie“ sei.

Prof. Schallenberg hörte diese Komplimente gerne und mochte sie ebenso gerne zurückgeben: „Bei den Protestanten fasziniert mich die Verbundenheit zur heiligen Schrift.“

So kam es nicht von ungefähr, dass beide die Frage nach Änderungswünschen an ihrer Kirche mit der Übernahme von Elementen der jeweils anderen beantworteten. „Ein größeres Ja zur Institution Kirche“ würde Friedrich gern sehen. Und laut Schallenberg würden der katholischen Kirche „synodale Elemente“ gut tun.

So freundlich die Diskutanten zueinander waren, so sehr beharrten sie auf ihrer Konfession. „Ich bin mit Überzeugung evangelisch, weil es zwischen mir und Gott keine Zwischeninstanz gibt“, so Friedrich. Der Papst, die Anbetung der Heiligen und die Stellung zur Frau gefielen ihm nicht bei der katholischen Kirche. Schallenberg konterte mit der „Verbindung zu den Uranfängen der Kirche und der apostolischen Tradition.“ „Wir stehen auf den Schultern der Vorfahren des Glaubens.“

Eine Kraft mit vielen Namen

Feministische Gottesdienste in der St. Petrikirche beschäftigen sich mit der „Heiligen Geistkraft“

Die Kraft, die erneuert, heilt und lebendig macht, hat in den Kulturen der Welt verschiedene Namen. So heißt sie im Indischen „Prana“, „Chi“ im Chinesischen, „Ruah“ im Hebräischen, „Pneuma“ im Griechischen sowie „Spiritus“ im Lateinischen.

In der feministischen Gottesdienstreihe „Geistkräfte“ in der Evangelischen Stadtkirche St. Petri, Westenhellweg, steht die biblische Heilige Geistkraft mit den Wirkungsweisen ihrer heilenden Energie und ihrer beängstigenden Macht im Zentrum. Die Gottesdienste finden bis November dieses Jahres immer am letzten Sonntag eines Monats statt. Sie beginnen um 11.30 Uhr.

Eine Besonderheit weisen die Gottesdienste im Mai (30.) und Juni (27.) auf: Dann wird das Labyrinth, das vom 7. Mai (Eröffnung19.30 Uhr) bis 5. August in der St. Petrikirche liegt, in die Gottesdienste einbezogen. Die Themen lauten an diesen Sonntagen „Das Labyrinth – Die Energie eines mächtigen Symbols“ beziehungsweise „Himmel und Erde – Kraft aus der Höhe, Kraft aus der Tiefe“. Hierzu können die interessierten Besucherinnen und Besucher Meditationskissen mitbringen, da diese Gottesdienste direkt am Labyrinth stattfinden.

Weitere Themen sind „Heilen durch Berühren – Eine urchristliche Tradition“ (29. August) und „Chris­tuskraft als kosmische Kraft“ (26. September).

Das ausführliche Programm der femistischen Gottesdienstreihe ist einem Faltblatt zu entnehmen, das  u. a. in der St. Petrikirche ausliegt. Informationen gibt es auch im Internet unter www.st-petri-dortmund.de.

650 Jahre Stadtkirche St. Georg

650 Jahre
Stadtkirche
feiert die
Kirchenge-
meinde
Lünen in
diesem Jahr.
Foto:
Stephan
Schütze

Jubiläumsfeierlichkeiten in Lüner Kirchengemeinde

Pünktlich zum Jubiliäum „650 Jahre Stadtkirche“ erstrahlt die St. Georgkirche in neuem Glanz. Ganze 15 Jahre dauerten die Renovierungs- und Sanierungsarbeiten. Zudem wurde im vergangenen Jahr ein Leitbild für die Stadtkirche erarbeitet.

Die Feierlichkeiten im Jubiläumsjahr beginnen am 23. April 2010, dem Georgstag, um 18 Uhr mit einem Festgottesdienst. Der Name der Stadtkirche geht auf den Heiligen Georg zurück, dessen Kampf mit dem Drachen auf der rechten Außenseite des Flügelaltars in der Kirche zu sehen ist. Der Bedeutung des Drachenkampfes für evangelische Christinnen und Christen heute wird während des Gottesdienstes nachgespürt werden.

Nach dem Gottesdienst, verantwortlich zeichnen hierfür die Pfarrerinnen Anja Bunkus und Claudia Reifenberger, wird im Innenhof der Kirche weitergefeiert. Mit Getränken und Speisen nach Rezepten aus dem Mittelalter können es sich die Besucherinnen und Besucher gutgehen lassen.

Weiter gehen die besonderen Veranstaltungen im Rahmen der Jubiliäumsfeierlichkeiten an den drei Sonntagen vor Pfingsten (2., 9. und 16. Mai). An diesen Tagen gibt es eine Predigt­reihe über die Stadtkirche. Anhand ausgewählter Ausstattungsstücke innerhalb der St. Georgkirche wird die Bedeutung dieses besonderen Ortes dargestellt. Pfingstsonntag (23. Mai) finden unter dem Motto „650 Jahre St. Georg: Stadt und Kirche feiern“ das große Bürgerfest mit Festgottesdiensten und die Nacht der Offenen Kirchen statt.

Zu Pfingsten wird auch, wie in den vergangenen Jahren, eine Kunstausstellung eröffnet. An den drei Sonntagen danach (30. Mai, 6. und 13. Juni) werden in Bilderpredigten die gezeigten Kunstwerke in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt.

Auch für die zweite Jahreshälfte sind zahlreiche Veranstaltungen zum Jubiläum geplant. So findet am 11. September parallel zur Lünschen Mess ein mittelalterlicher Markt rund um die Stadtkirche statt. Dabei wird die Geschichte der Kirche noch einmal lebendig. Und einen Tag später, am 12. September, ist die St. Georgkirche anlässlich des Tages des Offenen Denkmals für interessierte Besucherinnen und Besucher geöffnet.

In der Woche vom 3. bis 10. Oktober macht die Veranstaltungsreihe „Local Hero“ im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 in Lünen Station. Am 28. November enden die Feierlichkeiten zum Jubiläum mit der Vorstellung der Festschrift.

Landtagswahl zur Probe

Frank Bußmann (2.v.l.), Redaktionsleiter Dortmund der Westfälischen Rundschau moderierte die Veranstaltung der Evangelischen Kirche zur Landtagswahl. Foto: Stephan Schütze

Begegnung mit Kandidatinnen und Kandidaten für die NRW-Landtagswahl

Die Landtagswahlen in NRW. Hier das Ergebnis: Trotz gegenteiliger Prognosen schneidet die SPD sensationell stark ab und verfehlt mit beinahe  47 Prozent nur knapp die absolute Mehrheit. Auf jeden Fall wird sie mit ihrem grünen Wunschpartner (18,75 Prozent) über eine komfortable Regierungsmehrheit verfügen. Auch die LINKE kann sich freuen und rückt mit mehr als zwölf Prozent erstmals in den Landtag ein. Herber Absturz allerdings für die CDU, die mit 18,75 Prozent noch nicht mal die Hälfte ihres letzten Ergebnisses einfahren kann. Die FDP ist mit weitem Abstand das Schlusslicht und verfehlt den Einzug in den Landtag deutlich (3,12 Prozent).

Soweit nicht das amtliche Endergebnis, sondern eine Probeabstimmung bei der Veranstaltung „Glückliche Familien, gesunde Umwelt, starke Städte“. Unter diesem Titel hatte die Evangelische Kirche eingeladen zu einer Begegnung mit Kandidatinnen und Kandidaten für die Landtagswahl. Keine der üblichen Podiumsdiskussionen mit Schlagabtausch von Politikparolen sollte es werden, hatten die Veranstalter versprochen.

Schon die Probeabstimmung zu Beginn zeigte, dass sie ihr Versprechen halten wollten.  Auf einem „Marktplatz“ konnten die 80 Anwesenden direkt mit den drei Kandidatinnen und den zwei Kandidaten ins Gespräch kommen: Nadja Lüders, SPD („Ich bin Kind einer Arbeiterfamilie und habe die Vorteile der Sozialdemokratie genießen können.“) plädierte dabei für einen „Stärkungspakt Stadtfinanzen“. Claudia Middendorf, CDU („Erst der Mensch, dann der Markt.“) befürwortete Privatisierungen, sah in ihnen allerdings kein Allheilmittel. Daniela Schneckenburger von den GRÜNEN („Ich freue mich, dass Guntram Schneider als möglicher Minister von der SPD nominiert worden ist.“) wollte den Klimaschutz in das Zentrum der Politik stellen. Helmut Eigen, Kandidat der LINKEN („Sozial auch nach der Wahl.“) sprach sich gegen Hartz IV und für die Vergesellschaftung der Energiekonzerne aus. Lars Rettstadt, FDP („Die Schwachen unterstützen, ohne die Leistungsfähigen zu strapazieren.“) bedauerte, dass durch die „Jahrzehnte Sozialstaat die Bürger verlernt haben, selbst für sich zu sorgen.“

Obschon es eine Wahlinformationsveranstaltung „mit anderen Formen“ war, so die Veranstalter, mochten sie auf die traditionelle Form der Podiumsdiskussion nicht ganz verzichten. Doch ungewöhnlich war, dass das Publikum das Thema selbst bestimmen konnte. „Wie sind die Kommunen besser auszustatten?“ war die Frage, die die Abgeordneten in spe beantworten sollten. Middendorf wies darauf hin, dass im letzten Jahr die Kommunen ohnehin schon acht Mrd. Euro mehr bekommen hätten. Allerdings: „Wir sind kein Selbstbedienungsladen. Immer nur fordern, geht nicht.“ Damit erntete sie heftigen Widerspruch von Schneckenburger: „Die Kommunen haben nirgends goldene Eier rumliegen.“ Ganz im Gegenteil seien sie in einem „Schuldenkarussel“ gefangen. Außer bei der Bildung und der Jugend solle „alles auf den Prüfstand“ so Rettstadt. Man müsse auch den Mut zum Sparen haben. „Peinlich“ fand es Lüders, dass er dabei ausdrücklich das Arbeitslosenzentrum nannte. „Es gibt nicht nur Starke. Wir müssen uns auch um die Schwachen kümmern.“ Ähnlich Eigen: „An der Hilfe für die, die ohnehin ausgegrenzt sind, darf nicht noch gespart werden.“ Stattdessen könne man die Leuchtturmprojekte streichen.

Es sollte ein „erkenntnisreicher Abend“ werden, wünschte in seiner Begrüßung Superintendent Klaus Wortmann. Das wurde der Abend tatsächlich. Doch neue Wähler konnten die Politiker nicht gewinnen. Denn bei der abschließenden Frage, wer aus dem Auditorium sein Wahlverhalten nach der Veranstaltung ändern werde, gab es nur eine Meldung.

Nazis im Netz

Der Sozialwissenschaftler und Journalist Dr. Thomas Pfeiffer informierte in der Auslandsgesellschaft über „Nazis im Netz“. Foto: Stephan Schütze

Veranstaltung des Arbeitskreises Rechtsextremismus

„Sie sind rückwärts gewandt im Gedankengut aber modern in ihren Propagandaformen.“ Sie, das sind die „Nazis im Netz“. Bei der gleichnamigen Veranstaltung des Dortmunder Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus gab Dr. Thomas Pfeiffer vom Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen am 14. April 2010 einen Überblick über die Aktivitäten der Neonazis im Internet.

„Bis Mitte der 1990er Jahre zeigten die Internetseiten der Neonazis rechtes Denken in einer Hightech-Anmutung“, erklärte der Sozialwissenschaftler. Jetzt sind die Seiten moderner und professioneller in der Darstellung und im Angebot. Im Gegensatz zu früher sei eine Tarnstrategie erkennbar, die Straftatbestände vermeiden soll, so Pfeiffer.

Neonazis versuchten vermehrt soziale Netzwerke im Internet zu nutzen. Dort kommen sie als „normale“ Nutzer daher und versuchen für ihr Gedankengut Anhänger zu finden. Die Nutzer solcher Netzwerke sollten deren Betreiber auf die Verbreitung rechtsextremer Inhalt hinweisen. Als eine Meldestelle im Internet verwies Pfeiffer auf www.jugendschutz.net.

Mit Musik und anderen multimedialen Inhalten, wie Musikvideos, wird um Jugendliche geworben, berichtete der Verfassungsschützer.
Die Seiten dienen auch der Vernetzung und Mobilisierung. Vor Demonstrationen werden auf Sonderseiten letzte Informationen verbreitet, auch Tipps zur Vermeidung von Straftaten.

In Online-Shops wird alles aus dem rechten Spektrum angeboten, von der Musik über Bücher bis zur Kleidung. Eine eigene „Wissensdatenbank“, ähnlich wie Wikipedia, soll im „rechten Sinne“ über Inhalte informieren. Dies im Widerspruch zu gründlich erforschten historischen Zusammenhängen, mahnte Thomas Pfeiffer.

Abschließend gründete sich das Forum gegen Rechtsextremismus. Es bietet einen Rahmen, sich gegen Rechts zu engagieren, ohne sich an einen Verein oder eine Institution zu binden. „Alle sind dazu eingeladen“, sagte Pfarrer Friedrich Stiller vom Referat für gesellschaftliche Verantwortung  der Evangelischen Kirche.

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