Evangelische Kirche beim Still-Leben A40 in Dortmund

Kirche unter Menschen
Ökumenebaum und ...
... Musik aus dem Südwesten
Ökumenische Kirche
Kuchen aus der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Die Werkstatt Bibel trifft die Frauenhilfe
Speisen aus Kamerun gab´s
bei der ESG
Im Käfig tierisch unwohl fühlen
Kirche tief im Westen an der Ausfahrt Lütgendortmund

„Verrückte und tolle Idee“

Evangelische Kirche ist auch auf der A40 ein "Hinkucker". Foto: Stephan Schütze

Beim „Still-Leben Ruhrschnellweg“ waren viele evangelische Gemeinden Dortmunds mit dabei

Das bleibt für lange Zeit ein einzigartiger Anblick: Die A40 ist autofrei. Wo Tag für Tag rund 140.000 Autos fahren oder mitunter auch im Stau stehen, sieht man an diesem Sonntag kein einziges. Es ist der 18. Juli und statt PKW, Lastwagen oder Motorräder gibt es bei dem „Still-Leben Ruhrschnellweg“ Radfahrer, Fußgänger, Rollschuhfahrer, viele Aktionen und vor allem mit 20.000 Tischen die längste Tafel der Welt.

Mit dabei war die Evangelische Kirche. In Dortmund präsentierten sich an der Ruhrallee die Frauenhilfe, die ESG, der Kindergottesdienstverband, die Evangelische Jugend, verschiedene Gemeinden sowie die Methodistische Kirche.

Das Bildungswerk startete seine Postkartenaktion „Ich lebe gerne hier“. 2010 Postkarten warten bis Dezember auf Beschreibungen, warum Menschen gerne im Ruhrgebiet leben. Dann werden Adressen und Karten neu gemischt und verschickt, die Teilnehmenden werden mit anderen lebenswerten Gründen überrascht.

Die Aktion „Kirche und Tiere e. V. machte mit einer ungewöhnlichen Aktion auf den „Kirchentag Mensch und Tier“ am letzten Ferienwochenende aufmerksam. Sie lud zum „tierisch unwohl fühlen“ im Käfig ein.

Über die Ökumene in ihren Bezirken informierte die Kirchengemeinde Dortmund-Südwest. Die Hörder Gemeinde zeigte ihr Projekt „Miteinander essen“, das sich in sechs Schulen und zwei Kindergärten das Motto „Für jedes Kind eine warme Mahlzeit!“ zu eigen gemacht hat.

Etwas weiter im Westen, in Lütgendortmund, waren die Christusgemeinde und die Eliasgemeinde. Sie war von Anfang an begeistert von dieser „verrückten und ganz tollen“ Idee, schwärmte Pfarrerin Bettina Wirsching von der Christusgemeinde. Nur wenige hundert Meter von der Abfahrt Lütgendortmund entfernt belegten die beiden Gemeinden zwölf Tische.

„Und zwar in direkter Höhe unserer Kirche“, freute sich Pfarrerin Wirsching. Apropos Kirche: eine große Sperrholzkirche war auf diesem Abschnitt der A40 der „Hinkucker“. Für musikalische Unterhaltung sorgten das Ensemble des „Elias-Keller“ sowie Gastauftritte der koreanischen und der afrikanischen Gemeinde. Direkt daneben konnten die Kinder der evangelischen Familienzentren beim Arche-Noah-Malen kreativ werden. „Wir genießen das“, so Wirsching, die sich darüber freute, dass „alle vorbeikommen.“

Foto- und Videoprojekt des Evangelischen Bildungswerks Dortmund

Die Ergebnisse des Fotoprojekts “Tafelbilder” und des Videoprojektes “Was ist mir lieb und teuer?” des Evangelischen Bildungswerkes beim Still-Leben A40 finden Sie im Internet unter folgenden Adressen:

Wölfe im Schafspelz

Bei den Aktionen gegen das Auftreten der extrem rechten Partei „Pro NRW“ beteilig­te sich auch die Evangelische Kirche. Foto: Stephan Schütze

Kundgebung gegen Pro NRW

„Sie geben sich bürgerlich und sind Radikale. Sie sind Wölfe im Schafspelz.“ So charakterisierte Friedrich Stiller, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung, die Partei „Pro NRW“.

„Kein islamistisches Ghetto in Dortmund-Hörde“, das war der Slogan unter dem „Pro NRW“ für Mitte Juli einen Protestmarsch in Hörde angekündigt hatte. Keine hundert Personen waren gekommen. Bei der Gegenaktion waren mehrfach so viele anwesend.

„Dahinten stehen die anderen“, so Pfarrer Stiller beim Auftakt der Gegenkundgebung. „Das sind die, die mit immer den gleichen Vorurteilen unser friedliches Zusammenleben stören wollen. Das sind die, die plötzlich das ,christliche‘ Abendland wieder entdecken, nur um sich von den anderen abzugrenzen.“

„Pro NRW“ versuchte mit ihrer Aktion, das Moscheebauprojekt in Hörde für seine rechten politischen Ziele zu missbrauchen und Stimmung gegen das friedliche Miteinander in der Stadt zu machen. Bereits vor einigen Jahren hatten Neofaschisten zu einer ähnlichen Demonstration aufgerufen.

Friedrich Stiller stellte auf der Gegenkundgebung klar: „Hier entsteht kein Großprojekt, die geplante Moschee ist ein dringend benötig­tes neues Quartier für den Moscheeverein in Hörde, der seit 40 Jahren in einem Wohnhaus untergebracht ist.“

Zu Gegenaktionen hatte der Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus, dem auch die Evangelische Kirche angehört, der Runde Tisch Grimmelsiepen, der Rat der muslimischen Gemeinden Dortmund und der DITIB Moscheeverein Hörde aufgerufen. Bei der Kundgebung wirkten u.a. Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Superintendent Klaus Wortmann und die DGB-Vorsitzende Jutta Reiter mit. Eine zweite Gegendemonstration wurde vom Dortmunder Bündnis gegen Rechts durchgeführt.

  • Die Partei „Pro NRW“ entstammt aus der rechten Bewegung „Pro Köln“. Deren Modell soll auf ganz NRW ausgedehnt werden. „Pro NRW“ gibt sich bürgerlich, ist jedoch eine extrem rechte Partei. Sie kooperierte anfänglich offen mit Neonazis und versucht jetzt, den Platz zwischen nationalsozialistischen Organisationen und konservativen Parteien zu besetzen. Ihre Kernaussagen sind rassistisch; sie schürt vor allem Vorurteile gegenüber Menschen mit Zuwanderungshintergrund.

GPS und Babyschwimmen

Evangelische Familienbildung legt neues Programm vor

Mit einem Mix aus neuen und bewährten Angeboten startet die Evangelische Familienbildung in das zweite Halbjahr. Druckfrisch liegt jetzt das 90seitige Programm für August bis Dezember 2010 vor. In der Familienbildung gibt es Information rund um das Elternsein, das Leben mit Kindern und zur Gesundheit.
Ganz neu im Programmangebot ist eine moderne Schatzsuche für Kinder und Jugendliche mit GPS-Geräten (Geo-Caching). Neben der Nutzung zur Straßennavigation können diese Geräte auch als Wegbegleiter beim Wandern oder als Mittel zur GPS-Ralley für die ganze Familie eingesetzt werden. Die Veranstaltung „Mit GPS Freizeit planen“ wendet sich an Väter und bietet neben Theorie und Planung genügend Zeit zum praktischen Erproben des neuen Freizeitvergnügens.

Die bewährten Mobilé-Gruppen geben den Eltern im ersten Lebensjahr ihres Kindes die Möglichkeit, alle ihre Fragen zum Alltag mit dem Neugeborenen loszuwerden. Dort besteht Gelegenheit zum Austausch mit anderen Eltern. Zum Kurs gehören auch entwicklungsgerechte Spielanregungen.

Im zweiten und dritten Lebensjahr unterstützen Eltern-Kind-Gruppen bei Fragen nach Werten und Zielen in der Erziehung. Die Gruppen wollen das Vertrauen in die eigene Erziehungsfähigkeit stärken. Sie fördern die Entwicklung der Kinder durch Spiele und Bewegungsangebote. Für die Eltern bieten sie Begegnung und Gemeinschaft. Die Gruppen richten sich auch an Tageseltern und Großeltern.
Spiel und Entspannung im Wasser für Babys mit ihren Eltern bietet das Babyschwimmen. Eltern lernen dabei, ihrem Kleinkind Sicherheit und Bewegungsmöglichkeit zu geben. Spielerisch erobert das Baby so das Element Wasser.

Außerdem stehen Kurse zu den Themenbereichen „Kleidung-Mode-Textiles“, „Bewegung und Fitness“, „Entspannen und Meditation“ sowie „Küche-Kochen-Kulinarisches“ auf dem Plan.

Trauergruppen helfen beim Verlust des Partners oder der Partnerin. Der offene Gesprächs- und Kontakttreff „Nur ein Hauch von Leben“ richtet sich an Eltern, die ihr Kind durch Fehlgeburt, Totgeburt oder kurz nach der Geburt verloren haben.

Elternkompetenzkurse, Babysitterkurse und Angebote zur Qualifizierung von Tagesmüttern runden das Programm ab.

Die Veranstaltungen finden im Reinoldinum (Dortmund-Mitte), in Wickede, im Wohnstift Augustinum (Babyschwimmen) oder in verschiedenen Kirchengemeinden statt.

Das Programm ist erhältlich im reinoldiforum an der St. Reinoldi-Kirche und im Evangelischen Bildungswerk im Reinoldinum, Schwanenwall 34. Im Internet ist das Programm auf der Seite www.familienbildung-do.de zu finden. Anmeldung und weitere Informationen direkt im Internet oder unter der Telefonnummer (0231) 84 94 404.

Sportliche Geste: Am Ende der Siegerehrung überreichte Pfarrer Friedrich Stiller (2.v.l.) den Wanderpokal an die Imame, „da diese viel besser gespielt haben.“ Foto: Stephan Schütze

Entscheidung im Elfmeterschießen

5. Fußballspiel der Religionen im "Glutofen Hoeschpark"

Zum vierten Mal in Folge gewannen am 4. Juli 2010 evangelische Pfarrer gegen Imame das  „Fußballspiel der Religionen“. Nach 4:3 im Elfmeterschießen freuten sich die evangelischen Theologen erneut über den Gewinn des Wanderpokals „Anstoß zum Dialog“.

Lange deutete im „Glutofen Hoeschpark“ – Livekommentator Steffan Hoffmann von Radio 91,2 zu den Spielbedingungen  –  jedoch alles auf ein anderes Ergebnis hin. In der regulären Spielzeit, zweimal 25 Minuten, dominierten die muslimischen Theologen das Spiel, kombinierten besser, zeigten gutes Stellungsspiel und hatten mehr Zug zum Tor. Erst in der letzen Minute gelang es den Pfarrern die Abwehr und den Torwart der Imame zum 1:1 zu überwinden. Auch im Elfmeterschießen führten zunächst die Imame mit 3:2.  Bis der verschossene Elfmeter der Pfarrer wiederholt werden musste, da vor dem Schuss ein zweiter Ball aus den umstehenden Zuschauerreihen in den 16-Meterraum rollte. Der Schuss landete im Tor. Die Imame verschossen ihren fünften Elfmeter, Stand 3:3. Dann die Entscheidung: Die Pfarrer legten vor, die Imame verschossen erneut. Das 4:3 bedeutete den Sieg der evangelischen Theologen.  Am Ende der Siegerehrung überreichte Pfarrer Friedrich Stiller, den Wanderpokal an die muslimischen Theologen, „da diese viel besser gespielt haben.“  Er hatte den Druck der Imame in der Abwehr zu spüren bekommen.

Im Fieber der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland wurde die Idee zum „Fußballspiel der Religionen“ geboren. 2006 spielten zum ersten Mal evangelische Pfarrer gegen Imame aus Dortmunder Moscheen. Wie vor jedem Anpfiff  verlasen auch diesmal ein muslimischer, ein jüdischer und ein christlicher Vertreter die Dortmunder Selbstverpflichtung des Dortmunder Arbeitskreises Religion und Integration.

Neu in diesem Jahr war das Herrenturnier am frühen Nachmittag. Hier kickten keine Theologen, sondern Mitglieder aus Vereinsvorständen und Vereinen. Mit den vier Mannschaften waren  Muslime, Juden, evangelische und katholische Christen im Turnier vertreten. Das gewann Makkabi Dortmund klar mit Siegen in allen drei Spielen. Parallel spielten Kinder und Jugendliche ein Jugendturnier aus. Die Teams waren bunt gemischt, in einem Team stand ein jüdischer Torhüter hinter der muslimischen Abwehr.

Bürgermeisterin Birgit Jörder, Schirmherrin der Aktion, überreichte bei  der offiziellen Eröffnung um 15.30 Uhr vor dem Spiel Pfarrer gegen Imame den Pokal an das Team Makkabi Dortmund und Medaillen an die Spieler der Jugendmannschaften.

Über den Nachmittag sahen rund 300 Besucherinnen und Besucher die Fußballspiele und nutzen die Angebote rund um die Spielfelder, wie das Kinderprogramm oder die Livemusik auf der Bühne von „Sevgi“ und „Merhaba“. Im „Pavillon der Religionen“ gab es Informationen, im Stand nebenan Essen aus den unterschiedlichen Kulturen.

Ein „rechtes“ Lebensgefühl schaffen

Claudia Luzar (2.v.l), Kennerin der rechten Szene, hat auf Einladung des „Forum gegen Rechtsextremismus“ einen Vortrag über die „Autonomen Nationalisten“ gehalten. Foto: Stephan Schütze

Vortrag an der FH: Die autonomen Nationalisten in Dortmund

Sie sind jung, sie sind gewalttätig und sie sind gefährlich. Die Rede ist von den so genannten „Autonomen Nationalisten“, kurz „AN“.  In Dortmund-Dorstfeld haben sie sich seit 2006 eine Hochburg mit einiger Ausstrahlung geschaffen. Für bundesweite Furore sorgten sie im letzten Jahr, als sie die 1. Mai-Demonstration des DGB angriffen.

Claudia Luzar, intime AN-Kennerin, referierte am 1. Juli 2010 in der Fachhochschule auf Einladung des Dortmunder „Forum gegen Rechtsextremismus“ über die Ideologie und Vorgehensweise der Autonomen Nationalisten. Luzar ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Internationalen Akademie der Freien Universität Berlin. Sie ist Mitautorin der empirischen Erhebung „Rechtsextremistische Strukturen in Dortmund“. Ihr Wissen über diese Spielart des „Neo-Nationalsozialismus“, so Luzar, hat sie sich nicht angelesen. Sie hat mit Aussteigern aus der Szene in Dortmund und im Ruhrgebiet Interviews geführt, hat sich mit Aktivisten der AN unterhalten, beobachtet deren Demonstrationen und liest ihre Internetforen mit. Luzar ist in der Naziszene bekannt, wurde oft bedroht und musste deshalb mehrfach ihre Wohnung wechseln.

Das Neue an den Autonomen Nationalisten ist ihr Aussehen und Auftreten. Mit schwarzem Kaputzenpullover, Sonnenbrille und Hip-Hop erinnert nichts an biedere NPD-Funktionäre oder tumbe, stiefeltragende Glatzen. Das Alte an ihnen ist ihre rechtsextreme, demokratiefeindliche Weltanschauung. „Produktpiraterie“ bezeichnet Luzar deshalb deren Hinwendung zur Ästhetik und Sprache des Linksradikalismus. Und erklärt: „Ihre Erscheinung und ihr Wesen passen nicht zusammen.“ „Wenn sie den Mund aufmachen merkt man, das passt nicht zu ihrer Kleidung und zu ihrer Musik.“ Die Anlehnung an Symbole und Mode der linken Kultur und Szene dient lediglich dazu, Jugendliche leichter zu agitieren.  Die jüngsten unter ihnen sind gerade mal 13 Jahre alt. Wie bei allen Neonazis ist ihr Feindbild das von ihnen so genannte „BRD-System“, die Sozialdemokratie und überhaupt alle Organisationen der Linken. Sie zeichnen sich aus durch Demokratie- und Fremdenfeindlichkeit, durch Antisemitismus, und die Ablehnung des „Kulturfremden“.

Im Gegensatz zum traditionellen Rechtsextremismus liegt ihr Schwerpunkt im „Kampf um die Straße“. „Unser Ziel ist es“, so ein AN-Aktivist, den die Wissenschaftlerin zitiert, „Präsenz zu zeigen und klar zu machen: das ist unsere Stadt, das ist unser Stadtteil, das ist unsere Schule.“ In diesem Sinne wollen sie Dortmund „befreien“ und - nicht nur hier - ein nationalsozialistisches Ordnungssystem errichten.

Den Dortmunder „festen Kern“ der AN schätzt Luzar auf 15 bis 20 Personen, die allerdings in der Lage sind, für Aktionen schnell deutlich mehr zu mobilisieren. Aktionen und „Aktivismus als Lebensprinzip“ ist eines der Charakteristika der Autononem Nationalisten. „Ich war die ganze Zeit aktiv“, so ein Aussteiger, „und habe nur für die Bewegung gearbeitet.“

Dass Dortmund eine der Hochburgen der Autonomen Nationalisten ist, hält Luzar nicht für einen Zufall. Strukturwandel, Arbeitslosigkeit und Verlust von Identifikation seien hier besonders hoch und böten einen Nährboden für rechte Rekrutierungsversuche. Die übrigens nicht ungeschickt seien: „Es funktioniert sehr viel über soziale Kontakte.“ Gemeinsam die Freizeit verbringen, zusammen in einer WG wohnen, einen Familienersatz bieten - das alles müsse zunächst nicht politisch gefärbt sein. Es gehe weniger darum, ein rechtes Weltbild zu vermitteln, als vielmehr „ein rechtes Lebensgefühl zu schaffen.“
 
Weitere Informationen zum „Forum gegen Rechtsextremismus“ gibt es unter www.dortmund-rechts.de. Die nächste Veranstaltung (Oktober 2010, genaue Zeit und Ort werden noch bekannt gegeben) hat das Thema „Soziale Lage und Rechtsextremismus“.

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