In Dorstfeld gestalteteten Kinder und Jugendliche mit Unterstützung der evangelischen und katholischen Gemeinde einen Gedenkgang. Foto: Stephan Schütze

Zukunft braucht Erinnerung

Gedenkfeiern zum 65. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

„Zukunft braucht Erinnerung.“ Unter diesem Motto fanden am 27. Januar 2010 ökumenischen Gedenkfeiern in mehreren Teilen Dortmunds anläßlich des 65. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz statt.

In Dorstfeld gestalteteten Kinder und Jugendliche mit Unterstützung der evangelischen und katholischen Gemeinde einen Gedenkgang.

Die Aktualität des Vergangenen betonte Bezirksbürgermeister Friedrich A. Roesner in seiner Ansprache vor dem Mahnmal für die zerstörte Dorstfelder Synagoge.  „Unerträglich“ sei es, dass es in Dorstfeld heute wieder junge Leute gibt, die aus diesem Stadtteil eine „national befreite Zone“ machen wollen. Noch während der Ansprache von Roesner versuchten zwei jugendliche Neonazis die Gedenkfeier zu stören.

Ausschwitz war das größte Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Mehr als eine Million Menschen wurden hier ermordet. Die Rote Armee befreite es am 27. Januar 1945. 2005 haben die Vereinten Nationen diesen Tag zum Holocaust-Gedenktag ausgerufen.

Weitere Informationen unter: www.erport-do.de

 

Synodalassessor Horst Prenzel, Superintendent i.R. Jürgen Lembke, Präses Alfred Buß (v.l.) und Superintendent Paul-Gerhard Stamm (5.v.r.) führten den neuen Superintendent Winfried Moselewski (4.v.l.) in sein Amt ein. Foto: Samuel Ogunnibi

Winfried Moselewski ist neuer Superintendent des Kirchenkreises Lünen

Superintendent
Winfried
Moselewski
Foto: VKK

„Eigentlich“, so Präses Alfred Buß, hätte Pfarrer Winfried Moselewski überhaupt nicht Superintendent werden wollen. Und „eigentlich“, so Buß bei der Einführung von Moselewski als neuer Superintendent des Kirchenkreises Lünen, hätte das Superintendentenamt in Lünen nicht mehr besetzt werden sollen.

Doch die Wirklichkeit trotzte den Vorhaben. Am 23. Januar 2010 führte Präses Buß den neuen Superintendenten Moselewski in einem Festgottesdienst in der Lüner Stadtkirche St. Georg in sein Amt ein. Gleichzeitig verabschiedete er den zum 1. Dezember des letzten Jahres in den Vorruhrestand getretene Superintendent Jürgen Lembke.

Die Synode des Kirchenkreises hatte in ihrer Sitzung am 30. November 2009 den 47jährigen Pfarrer der Gemeinde Lünen-Horstmar gewählt. Moselewski ist in Iserlohn geboren und hat in Münster und Heidelberg Theologie studiert. Nach seinem Vikariat im Dortmunder Westen war er in Lütgendortmund Pfarrer im Hilfsdienst. Seit 1993 ist er Pfarrer der Kirchengemeinde Lünen-Horstmar. Seit 2000 gehört er dem Kreissynodalvorstand an.

In seiner Antrittspredigt in der gut gefüllten Stadtkirche gestand Moselewski, dass ihm „die neue Aufgabe“ noch „ungewohnt“ sei. Dennoch setzte er gleich inhaltliche Akzente: für den Verein „Dach über dem Kopf“, der sich um Obachlose kümmert, gegen Rechtsextremismus und für ein Moratorium im Kohlekraftwerksbau. „Um nicht vorzeitig über Jahrzehnte andere Möglichkeiten zu blockieren“, so seine Begründung. Mit Blick auf das Engagement der evangelischen Gemeinden in der Kinder- und Jugendarbeit mahnte  er: „Wir können es uns weder als Kirche noch als Gesellschaft leisten, dass Jugendliche, die ohne Perspektive sind, allein gelassen werden.“ Wir müssen, so seine Forderung, „Kinder und Jugendliche in ihrer Wirklichkeit ernst nehmen.

Landeskirchenrätin Christel Schibilsky wünschte sich in ihrem Grußwort beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus sein „Engagement für die Vereinigung der Dortmunder Kirchenkreise mit dem Lüner Kirchenkreis.“  Moselewski hatte bereits in der Vergangenheit hierzu deutlich positiv Stellung bezogen.

Diesen Ball aufnehmend, betonte der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Kirchenkreise, Superintendent Paul-Gerhard Stamm, „behutsam und vertrauensvoll zusammen an der Vereinigung zu arbeiten.“ Seinen Amtskollegen Moselewski hieß er „herzlich willkommen im Kreis der Superintendenten.“

„Räume der Begegnung – Kirche und Kultur“

Foto vom Reinoldustag 2010
Beten für die Stadt am Reinoldustag (v.l.): Pfarrer Michael Ortwald, Propst Andreas Coersmeier, Archimandrit Philotheos Maroudas, Griechisch-Orthodoxe Kirche, Bürgermeisterin Birgit Jörder und die Superintendenten Michael Stache und Paul-Gerhard Stamm.

Reinoldustag 2010: Segen für die Stadt - Beten für die Stadt

„Räume der Begegnung – Kirche und Kultur“ war das Thema des Reinoldustages zu Beginn des Kulturhauptstadtjahres 2010. Zu ihrem Jahresempfang hatten die evangelische und die katholische Kirche am Freitagabend, 22. Januar zum ökumenischen Gottesdienst in die evangelische St. Reinoldi-Kirche und zum Empfang ins Katholische Zentrum eingeladen.

Im Gottesdienst erklärten Superintendent Michael Stache und Dechant Michael Ortwald in ihrer Dialogpredigt die Bedeutung der Kultur und die Beteiligung der Kirchen daran. Dabei seien kirchliche Büchereien, Gesprächskreise und die Vergabe von Aufträgen an bildende Künstler nur einige Bereiche, in denen die Kirchen kulturell überaus aktiv sind. „Kirchenmusik findet an jedem Sonntag statt und nicht zuletzt die Kirchengebäude selbst sind kulturelle und architektonische Zeitzeugen“, hieß es in der Predigt. „Kultur ist die Förderung von Menschen, um sie lebensfähig zu machen und ihnen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen“, sagte Superintendent Stache. „Für die Kirchen ist es Aufgabe und Pflicht interessierte Menschen unabhängig von Einkommen und Lebenssituation an der Fülle des Lebens teilhaben zu lassen. Die Angebote der Kirchen möchten mit allen anderen Kulturträgern Menschen diese Fülle erleben lassen“, erklärte Stache.

Beim anschließenden Empfang ging Propst Andreas Coersmeier auf Themen ein, die Kirchen und Stadt gleichermaßen berührten. Für die Kirchen gehe es besonders um die „Kultur des Zusammenlebens der Menschen“. In Dortmund sei die nach wie vor große Armut in Teilen der Bevölkerung, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen eines der drängendsten Probleme. Er wünschte, dass der „Aktionsplan soziale Stadt“ weiter geführt werde und kündigte in diesem Zusammenhang die weitere Mitarbeit der Kirchen und ihrer Wohlfahrtsverbände an.

Bürgermeisterin Birgit Jörder erwiderte, dass viele der Punkte auch auf der Agenda der Stadt für das begonnene Jahr stünden. Im Zuge einer strikten Konsolidierung des Haushaltes seien aber Kürzungen von zehn Prozent im Sozialbereich und acht Prozent im Jugendbereich unvermeidbar. Die Bekämpfung der Kinderarmut werde künftig ein Schwerpunkt auf der Grundlage des „Aktionsplans soziale Stadt“ sein.

Pfarrer Manfred W. Schwarz neu im Präsidium des DEKT

Pfarrer i. R.
Manfred Schwarz

Westfale vertritt Landesausschüsse beim Deutschen Evangelischen Kirchentag

Westfalen/München. Pfarrer i. R. Manfred W. Schwarz (Dortmund-Brackel), Vorsitzender des Landesausschusses Westfalen, ist seit Samstag, 23.
Januar 2010 neues Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages (DEKT). Die Konferenz der Landesausschüsse, die am vergangenen Wochenende in München tagte, wählte den Westfalen mit großer Mehrheit zu ihrem neuen Vorsitzenden und damit zugleich ins Präsidium des DEKT. Damit würdigte das Gremium auch sein konstruktives, kreatives und verlässliches Engagement der vergangenen Jahre. Er löst Volker Hufschmidt aus der rheinischen Landeskirche ab, der das Ehrenamt in den vergangenen Jahren innehatte. In den nächsten sechs Jahren wird Manfred W. Schwarz nun an zentraler Stelle den Deutschen Evangelischen Kirchentag begleiten.

Zum Hintergrund
Die Leitung des Deutschen Evangelischen Kirchentages liegt in der Verantwortung folgender Organe: Präsidium – Vorstand des Präsidiums – Präsidialversammlung – Konferenz der Landesausschüsse – Kollegium.

Das Präsidium trägt die Verantwortung für den Deutschen Evangelischen Kirchentag. Es bestimmt Zeit, Ort und Programm der jeweiligen Kirchentage und beruft die Vorbereitungsgruppen für einzelne Programmteile. 15 Mitglieder des Präsidiums werden von der Präsidialversammlung gewählt. Bis zu sechs weitere Mitglieder bestimmt das Präsidium durch Kooptation. Die Amtszeit beträgt jeweils sechs Jahre. Außerdem gehören zum Präsidium der amtierende und der vorangegangene Vorstand sowie Gäste aus der gastgebenden Landeskirche für den nächsten Kirchentag.

Die Landesausschüsse bestehen für die Bereiche der Gliedkirchen oder bestimmte Regionen der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie sind mitverantwortlich für die Vorbereitung und Nacharbeit der Deutschen Evangelischen Kirchentage. Sie fördern die Verbindung zwischen den jeweiligen Kirchen, deren Werken und Verbänden sowie den politischen, sozialen, kulturellen Gruppen und Einrichtungen ihrer Region einerseits und den Organen des DEKT andererseits. Sie können ferner regionale Kirchentage oder andere regionale Veranstaltungen durchführen oder an ihrer Durchführung mitwirken. Sie sind mitverantwortlich für die Vorbereitung und Nacharbeit der zentralen
Kirchentage. Zurzeit gibt es 23 Landesausschüsse. Sie haben jeweils eigene Geschäftsstellen mit eigenen Geschäftsführern und Vorsitzenden.

www.kirchentag.de

Bisher bestes Ergebnis

Beim Beladen der LKW halfen 70 ehrenamtlich Engagierte.
Foto: Samuel Ogunnibi

Altkleidersammlung in Selm

„Jedes Jahr übertreffen wir uns selbst.“ Pfarrerin Christiane Uckat-Erley meint damit die Sammlungsergebnisse für „agape“. Schon in ihr 18. Jahr geht die Altkleidersammlung der Kirchengemeinde Selm zugunsten der ökumenische Initiative für behinderte und benachteiligte Menschen in Rumänien und andern osteuropäischen Ländern.

In diesem Jahr konnten 170 Kubikmeter gut erhaltene Kleidungsstücke gesammelt werden. „Das beste Ergebnis bislang,“ so Uckat-Erley. Statt dem angekündigten LKW, der die Kleidungsstücke abholen sollte, waren deshalb gleich zwei notwendig. 70 Engagierte halfen beim Beladen der LKWs. Ihre Fahrt nach Rumänien, in die Nähe von Hermannstatt, dauert mehr als zwei Tage.

In Rumänien werden die Kleider von diakonischen Vereinen in Kleiderläden verkauft. Der Erlös kommt der Betreuung geistig Behinderter Kinder und Jugendlicher sowie der Pflege alter Menschen zugute.

Wohnstift Augustinum spendet für „spendobel“

Bei der Spendenübergabe: Vertreter des Augustinums, von spendeobel und vom Hospizdienst. Foto: Stephan Schütze

Der Hospiz- und Palliativdienst darf sich über 2.500 Euro freuen

Mit 2.500 Euro unterstützt das Wohnstift Augustinum  „spendobel“, das Dortmunder Spendenparlament. Die Summe kommt dem Ambulanten Hospiz-und Palliativdienst zugute, für den sich spendobel engagiert. Die Spende ist Erlös eines Wohltätigkeitsbasars, den das Wohnstift jedes Jahr in der Weihnachtszeit veranstaltet.

Ende November hatte das Augustinum zu seinem traditionellen Basar eingeladen. Stöbern, schauen und kaufen war das Motto. Das Wohnstift spendet jedes Jahr die Hälfte des Basarerlöses einem Spendenprojekt in Dortmund. Dieses Jahr geht der Erlös an das spendobel-Projekt.

Das Wohnstift Augustinum kennt und schätzt den Hospizdienst seit mehreren Jahren. „Das ist der Grund, diesmal den Betrag an den Hospizdienst zu stiften.“, sagt Stiftsdirektorin Diana Horn. „Die Freude über diesen hohen Spendenbeitrag ist riesig“, so die Projektleiterin des Hospizdiensts Annegret Sobota, „wir brauchen das Geld vor allem für die Ausbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiter.“

Der Beratungs- und Palliativdienst unterstützt schwerkranke Menschen zu Hause, in Altenhilfeeinrichtungen oder im Krankenhaus. Er will, dass sie ein würdiges Leben bis zuletzt führen können.

Spendobel, gegründet 2001 auf Initiative der Evangelischen Kirche, ist eines von rund 20 Spendenparlamenten in Deutschland. Es will Spendenwillige seriöse Spendenobjekte vorstellen. Die Spenden fließen zu hundert Prozent in die Projekte. Anteilige Personal- und Sachkosten trägt die Evangelische Kirche.

Weitere Informationen zu spendobel und die aktuellen Projektbeschreibungen gibt es unter www.spendobel.de

Chorkonzert im Dortmunder Süden

Kreiskantorin Bettina Knorrek und Superintendent Klaus Wortmann suchen Sängerinnen und Sänger für das
Chorprojekt des Kirchenkreises Dortmund-Süd in der Hörder Luther-
Kirche. Foto: Stephan Schütze

Mitwirkende gesucht für den Bachkantatenzyklus „Momente der Ewigkeit“

Ein neues Chorprojekt plant der evangelische Kirchenkreis Dortmund-Süd im Rahmen der „Kulturhauptstadt Ruhr.2010“. Am Sonntag, den 30. Mai, führt der Kirchenkreis in der Hörder Lutherkirche um 18 Uhr ein Chor- und Orchesterkonzert auf. Es soll die für das Trinitatisfest vorgesehene Kantate Nr. 129 „ Gelobet sei der Herr, mein Gott“ präsentiert werden. Hierfür sucht der Kirchenkreis noch sangesfreudige Sängerinnen und Sänger.

Die Proben finden am 6. März, 24. April und 22. Mai von zehn bis zwölf Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Hörde statt. Die Generalprobe ist am 29. Mai in der Lutherkirche. Die Leitung des Chorprojekts übernimmt Kreiskantorin Bettina Knorrek. „Ich wünsche mir, dass die interessierten Sängerinnen und Sänger ein gewisses Maß an Erfahrung mitbringen. Im Vordergrund steht jedoch die Lust am Kirchensingen.“, so die Chorleiterin, „Besonders Männerstimmen werden noch für das Chorprojekts gesucht.“

Die Aufführung in Hörde ist Teil eines großen Projekts, das sich als „Atempause“ der Kulturhauptstadt 2010 versteht. In dem Zyklus „Momente der Ewigkeit“ werden an 36 Sonntagen in evangelischen Kirchen des Ruhrgebiets die Kantaten Johann Sebastian Bachs aufgeführt. Der Start war am 10. Januar, die letzte Aufführung wird am 26. Dezember sein. Die ganze Veranstaltung soll die Charakteristik eines Gottesdienstes haben daher ist der Eintritt aller Aufführungen frei. Daher bittet der Kirchenkreis um Spenden. "Es ist ein Geschenk des Himmels, dass die Hörder Lutherkirche, als eine der wenigen Dortmunder Kirchen, aktiv am Geschehen des Kulturhauptstadt Ruhr.2010 teilhaben darf.“, so der Superintendent des Dortmunder Kirchenkreises Süd Klaus Wortmann, „Insofern ist es für unsere Kirche schon mehr oder minder eine Auszeichnung.“

 Anmeldung

Anmeldeschluss: 15. Februar

Für den Klavierauszug müssen die Sängerinnen und Sänger 7 Euro bezahlen. Ansonsten ist das Projekt kostenlos.

Eine ganz große Nummer

Mose (Michael Eisenburger) musste mehrmals am Abend einen der beiden Bühnentürme erklimmen. Foto: EKvW

Pop-Oratorium "Die 10 Gebote" ein voller Erfolg

Samstagabend, 17. Januar 2010, 18.30 Uhr, Dortmunder Westfalenhalle. Eigentlich ist erst ab 19 Uhr Einlass zur Vorpremiere des Pop-Oratoriums "Die 10 Gebote". Doch draußen vor den verschlossenen Türen drängen sich bereits die Besucherscharen. Als die mobile Hebebühne, die 30 Minuten vorher noch half, die letzten Leuchtkörper an den Traversen unter der Hallendecke auszutauschen, durch den Haupteingang nach draußen fährt, nutzen die Massen die Gunst der Stunde und bahnen sich einen Weg ins Halleninnere.

Das hatten sich die Macher hinter den Kulissen sicher ganz anders gedacht im Gegensatz zur Aufführung selbst: denn da lief fast alles nach Plan.
19.45 Uhr. Noch eine Viertelstunde und es geht los. Die 90 Chöre auf den Rängen feiern jetzt schon eine große Party und bringen hintereinander mehrere La-Ola-Wellen in Fahrt. Die Stimmung ist ausgelassen, fast so, als wäre die Vorstellung schon erfolgreich gelaufen.

Dann, um kurz nach 20 Uhr, flitzt Martin Bartelworth auf die Bühne. Er ist einer der Geschäftsführer der Creativen Kirche aus Witten, die zusammen mit der Evangelischen Kirche von Westfalen für das Riesen-Projekt verantwortlich ist. Mit flotten Sprüchen und einer schier unbändigen Energie stimmt er die 8.000 Besucherinnen und Besucher im Hallenrund auf das Event ein. "Seid gnädig mit uns!" fleht er das Publikum an und erinnert damit freundlich an die Tatsache, dass es sich lediglich um die Vorpremiere und nicht um die Uraufführung handelt.

Und er bringt die Knicklichter ins Spiel, die im weiteren Verlauf des Abends noch für stimmungsvolle Momente sorgen sollen. Sie wurden vor Veranstaltungsbeginn und in der Pause von der Christoffel-Blindenmission verkauft, die durch das Erdbeben in Haiti zwei Menschen verloren hat. Kaum hat Martin Bartelworth das ausgesprochen, ist es mucksmäuschen still in der Halle. Und die "10 Gebote" sind nicht mehr nur ein uralter Text, den Mose nach der Erzählung am Berg Sinai von Gott erhalten hat. Auf einmal sind sie brandaktuell - und gehen unter die Haut.

20:09 Uhr. Jetzt geht es endlich los. Und was dann in den kommenden zwei Stunden auf der Bühne wie auf den Chor-Rängen passiert, ist ein wahres Feuerwerk an musikalischer Kraft und Energie, an schaupielerischer Brillianz sowie verbaler Ausdrucksstärke und Treffsicherheit.

Da sind die beiden Erzähler, Paul Falk und Yosefin Buohler, die musikalisch bewusst ostinat, textlich hingegen äußerst abwechslungsreich durch die Geschichte führen, angefangen von der Sklaverei in Ägypten, mit einem kurzen Präludium, das mit einfachen Worten erklärt, wie menschlich es seit Adam und Eva ist, Fehler zu machen.

Die beiden sind neben den gecasteten Hauptdarstellern die heimlichen Protagonisten des Abends. Denn sie sind nicht nur textsicher und stimmgewaltig. Sie legen auch eine Gestik und Mimik an den Start, die durchaus professionelle Ambitionen aufweist. Sollten die beiden sich in dieser Richtung weiter entwickeln wollen, wird sicher noch viel von ihnen zu hören sein.

Und dann die Musicalprofis Michael Eisenburger als Mose, Bahar Kizil als Zipporah, Frank Logemann als Aaron und Stefan Poslovski als Pharao: sie setzen das gemeinsam in Szene, was die Erzähler anreißen. Dabei versprühen sie eine unglaubliche Spielfreude. Man merkt ihnen an, dass sie hier nicht nur einen Job machen, sondern das Stück verinnerlicht haben.

Zusammen mit ihnen als authetische Botschafter erleben die Zuschauerinnen und Zuschauer, wie Mose den dekadent-überheblich anmutenden Pharao ("Es ist nicht einfach, Gott zu sein") anfleht "Lass mein Volk ziehn!". Es ist hautnah dabei, wenn der Mose eine klare Absage erteilt, wenn Gott die Ägypter mit Plagen straft, so lange, bis der Pharao endlich einwilligt und Israel gehen lässt.

Gebannt verfolgt das Auditorium, wie Mose das Meer mit seinem Stab teilt, wie das Volk durch die Wüste zeiht und Hunger leidet, wie die Israeliten um das Goldene Kalb tanzen und Mose die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten zerschmettert und schließlich wie er dem Volk nach erfolgter Läuterung die Zehn Gebote ans Herz legt.

Hier zeigt sich besonders deutlich, welche Glanzleistung Michael Kunze vollbracht hat, der für den Text verantwortlich ist: einzeln werden die Gebote in der vertrauten Lutherfassung gelesen und von Aaron in moderner Umschreibung auf den Punkt gebracht. Das geläufige "Du sollst nicht ehebrechen" verwandelt sich so in ein kesses "Fremdgehen ist verboten". Hier wird elementarisiert ohne zu simplifizieren. Und das tut dem Stück ungeheuer gut.

Genau so wie die Masseninszenierung mit den 2.500 Chorsängerinnen und -sängern, die sich am Hofe des Pharao mit Goldfolie bedecken und die Dekadenz des selbst ernannten Gottes dadurch visuell sehr eindrucksvoll unterstreichen. Als Mose das Meer teilt, verhüllen sie sich mit weißem Papier, das geschickt als Projektionsfläche genutzt wird. Und während einer rührigen Ballade entzünden sie ihre Knicklichter und schwenken sie synchron über den Köpfen: Das sind Bilder, die hängen bleiben.

Hängen bleiben wird sicher auch die Musik, die Dieter Falk exklusiv für das Oratorium komponiert hat. Es ist Massenchortaugliche Musicalmusik, irgendwo zwischen Rock und Pop mit orchestraler Untermalung und Melodien, die das Potential haben, sich schnell zu Ohrwürmern zu entwickeln.

Hier hört man die Erfahrung und die Kreativität eines musikalischen Genius, der die Szene seit 30 Jahren mit seinen Kompositionen bereichert und zudem betont christlich in Erscheinung tritt. "Ich bin ein Kind guter kirchlicher Jugendarbeit" sagt er im anschließenden Gespräch mit Journalisten. Man nimmt es dem sympathischen Musikproduzenten ohne weiteres ab.

Bleibt die Creative Kirche aus Witten, der es wieder einmal gelungen ist, ein Mega-Event auf die Beine zu stellen, das Kirche in einem ganz anderen Gewand präsentiert, als die liturgischen Gewänder sonntagsmorgens in den Kirchen vermuten lassen: Hier ist jede Menge Entertainment im Spiel. Und das ist gut so.

Nach gut zwei Stunden und einer Zugabe, die die schönsten Melodien des Abends noch einmal Revue passieren lässt, ist es vorbei. Einmal Applaus für alle: für das "Junge Orchester NRW", das mit Streichern und Band die musikalischen Vorgaben gekonnt umgesetzt hat, für die Hauptdarsteller und natürlich für die Chöre auf den Rängen, ohne deren Beteiligung die "10 Gebote" sicher ein interessantes Pop-Oratorium, aber sicher kein Mega-Event wären.

Sichtlich zufrieden setzen sich die Besucherströme nach dem Schlussakkord in Bewegung. Nur eines, so hört man am Rande, habe etwas gestört: Der Text sei bei den schnellen und lauten Stücken schwer zu verstehen gewesen. "Kein Problem", erklärt Birgit Winterhoff, Vorsitzende des Trägerkreises. "Wir bessern nach und blenden die Texte auf den großen Leinwänden ein." Es ist ja schließlich nur die Generalprobe gewesen. www.10Gebote.de

 

Mammutinszenierung mit 2.500 Singenden und promienter Besetzung

Welturaufführung zur Kulturhaupstadt 2010

NRW/Dortmund. 2.555 Sängerinnen und Sänger und ein großes Orchester werden am Sonntag, 17. Januar 2010 in der Westfalenhalle Dortmund für einen fulminanten Auftakt der Kulturhauptstadt 2010 sorgen – mit der Uraufführung des Pop-Oratoriums „Die 10 Gebote“ von Michael Kunze und Dieter Falk.

Die Zehn Gebote sind bis heute grundlegend für die abendländische Kultur und Gesellschaft. Mit ihnen verbindet sich die dramatische Geschichte der Befreiung eines ganzen Volkes aus der Sklaverei. Das Pop-Oratorium ist ein Spektakel um Zwietracht, Liebe und die großen Fragen der Menschheit.

Den Megachor bilden 90 Chöre aus Nordrhein-Westfalen. Die Hauptrolle spielt der Musicaldarsteller Michael Eisenburger. Bahar, sonst mit dem Trio „Monrose“ erfolgreich in den Charts vertreten, wird Zipporah, die Frau des Mose, singen. Der Schauspieler Otto Sander interpretiert die „Stimme Gottes“. Als Erzähler treten die Kinder Paul Falk und Yosefin Bouhler auf, die in der RTL Show „Supertalent“ im Finale stand.

Die Musik – zwischen Pop, Rock, Gospel und Musical – wurde exklusiv von Dieter Falk komponiert. Der langjährige Produzent von Pur, Pe Werner, Monrose und Paul Young ist der breiten Öffentlichkeit als Jury-Mitglied der Casting-Show „Popstars“ bekannt geworden. Story und Texte stammen von dem Musicalautor und Grammy-Gewinner Michael Kunze. Sein Stück „Elisabeth“ ist eines der meistgesehenen deutschen Musicals. Auch viele erfolgreiche Übersetzungen der Werke von Andrew Lloyd Webber („Cats“, „Das Phantom der Oper“) sowie die deutschen Versionen von „Der Glöckner von Notre Dame“ und „Der König der Löwen“ stammen aus seiner Feder. Für sein Lebenswerk wurde er mit dem Echo ausgezeichnet. Beide Autoren sind vielfach mit Goldenen und Platin-Schallplatten ausgezeichnet worden.

Zusammenlegung zu Frieden-Nordost

Die Kirchen und Gemeindehäuser in Kirchderne, Husen, Kurl, Lanstrop, Scharnhorst-Ost und Derne (v. o. l. im Uhrzeigersinn) sind seit dem 1. Januar
Teil der Evangelischen Friedenskirchen-
gemeinde Dortmund-Nordost.
Fotos: Kirchengemeinde

Aus vier mach eins: Derne, Husen-Kurl, Lanstrop und Scharnhorst-Schalom sind seit Anfang des Jahres zur Friedenskirchengemeinde Dortmund-Nordost zusammengelegt. Die neue Gemeinde hat rund 12.000 Gemeindeglieder und umfasst die Dortmunder Bezirke Derne, Fleier, Grevel, Hostedde, Husen, Kirchderne, Kurl, Lanstrop und Scharnhorst-Ost. Die Vereinigung wird in einem festlichen Gottesdienst am Sonntag, 24. Januar, um 10.30 Uhr im Gemeindezentrum Lanstrop vollzogen.

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